Offene Hintertür
Sie streicht sich das verstrubbelte Haar hinter die Ohren, während sie sich im Spiegel betrachtet. Der Mascara, hängt nun mehr unter den Augen als aus ihren spärlichen Wimpern einen schmetterlingseffekt zu zaubern. So wie die Verpackung es verspricht. Sie betrachtet sich eingehend. Sie hat große blaue Augen. Große Kuhaugen. Ihr ovales Gesicht ist eher kindlich. Sie sieht weit jünger aus als sie ist. 25 . Sie ist Jetzt bereits 25 Jahre auf der Welt. Dennoch wird sie oft auf 18 geschätzt. Es liegt höchstwahrscheinlich an ihrem Ausdruck. Immer noch voller kindlicher Erwartung. Doch heute erahnt man die erwachsene Frau. Augenringe und Fältchen sind deutlich zu sehen. Genervt schaltet sie das Badezimmer Licht aus und geht rüber in die Küche.Sie trägt nichts weiter als ein großes Flanell Hemd. In der Küche riecht es muffig und so öffnet sie ein Fenster. Auf dem Herd steht das Essen von vor drei Tagen. Es zieht Wasser und verbreitet einen strengen Geruch von Knoblauch im ganzen Haus. Sie schaltet den Wasserkocher an und holt eine Tasse aus dem Schrank. Wie von selbst finden ihre Hände den Ingwer Tee in der Schublade. Sie steckt den Teebeutel in die Tasse und geht zielstrebig auf den Kühlschrank zu. Sie öffnet ihn und greift nach der billigen Flasche Rotwein. Danach hat sie sich den ganzen Tag gesehnt. Sie gießt sich ein Glas ein. Nimmt einen Schluck und füllt das Glas aufs neue. Der Wasserkocher hat zu Ende gekocht und sie gießt sich den Tee auf. Unschlüssig bleibt sie an der Spüle stehen, guckt aus dem Fenster, runter in das was einmal ein Garten gewesen ist. Sie vermeidet den Gedanken an ihn. Schwerfällig geht sie zum Esstisch und setzt sich auf einen Küchenstuhl. Nach kurzer Zeit, fällt ihr auf das der Becher Tee und das Glas Wein noch auf der Ablage stehen. Sie erhebt sich seufzend. Ein unangenehmes ziehen im Anus Bereich begleitet sie auf dem Weg zum ersehnten Wein. Hämorrhoiden denkt sie. Sie sieht es noch vor sich, die Frau in der Apotheke, mit der gelben Hornbrille, die sie überheblich mustert, als sie leise und peinlich berührt nach einer Creme gegen Hämorrhoiden fragt. „Da muss ich erst nach schauen.“ Erwiderte diese mit offensichtlicher Genugtuung.
Als sie sich auf den Holzstuhl setzt, läuft ihr ein Schauer den Rücken hinab. Sie vermeidet es weiterhin an ihn zu denken. Der Tee steht dampfend vor ihr aber sie greift erst einmal nach dem Weinglas. Sie betrachtet den schweren Rotwein und nippt an ihm. Der leicht säuerliche Geschmack breitet sich in ihrem Mund aus. Schwer, leicht bitter im Nachgang. Sie leert das Glas in drei zügen. Wohlig breitet sich Wärme in ihrem Magen aus. Sie gießt sich noch ein Glas ein. Ihr Körper beginnt sich zu entspannen. Sie denkt an seine Hand und nimmt einen weiteren Schluck von dem billigen Wein. Der frische Ingwer Geruch entspannt ihren Geist und die frische Brise die durch das offene Fenster weht erfrischt sie. Sie denkt an den vergangenen Abend. Und es fröstelt sie. Sie denkt daran was für eine Art Mensch sie ist. Chaotisch und etwas ziellos verbringt sie die meiste Zeit damit sich zu fragen was wohl am besten zu ihr passt, was sie erreichen will und was sie tun sollte. Meistens verschiebt sie ihre großen Pläne auf morgen.
Das Treffen gestern mit ihm hat sie aufgewühlt. Sie kann nicht sagen das sie verliebt ist. Oder es nicht ist. Eine Definition scheint in diesem Falle aber auch überflüssig zu sein. Kaum zu glauben das sie ihn im Internet gefunden hat. Sie, mit dem Jungen Gesicht. Junge Frau. Das ist nicht ihre Vorstellung von einem aufregendem Abenteuer. Es ist eher etwas was die breite Masse tut. Und sie tut es jetzt auch. Sie verändert ihre Position auf dem Küchenstuhl und es durchzuckt sie wieder wie ein elektrischer Schlag. Sollte die Creme nicht langsam wirken?
Sie erinnert sich an seinen Blick. Wie ein Hengst der eine Stute wittert. Der sie besteigen möchte. Animalisch.
Sie spielt Gedanken verloren mit ihrem wirren Haaren, glättet sie mit den Fingern. Und denkt an alte Liebhaber zurück. Nüchtern stellt sie fest das es auch in der Vergangenheit nicht die in Büchern beschriebene Leidenschaft gepaart mit der unendlichen liebe gegeben hat. Viel mehr war ihr eigener Wunsch nach subtiler Körperlichkeit immer größer. Verwundert über ihre eigene Stumpfheit greift sie nach dem Tee. Er ist inzwischen so weit abgekühlt das sie daran nippen kann. Das alt bekannte brennen des Ingwers prickelt in ihrem Mund. In einem Moment der Klarheit erkennt sie, das der Tee und der Wein sich gar nicht so unähnlich sind.
Wieder verändert sie ihre Position auf dem Stuhl und genießt dieses Mal das unangenehme ziehen. Mit einem leisen Lächeln leert sie ihr Glas und denkt darüber nach, ihm nicht doch noch einmal die Hintertür zu öffnen. Im großen und Ganzen hat er ja nur ihren Wunsch erfüllt.
Herzen lügen
Mein Herz – es hat es immer gewusst. Ich habe nur lange nicht verstanden was es sagte. Denn ich habe seine Sprache nicht gesprochen. Doch etwas muss zu meinem Verstand durch gesickert sein, wie Giftstoffe ins Grundwasser, denn ich habe dich immer geliebt. Am Anfang nur mit meinem Verstand. Denn du scheinst so geschaffen zu sein wie ich es brauchte. Deine Wörter sprachen nicht nur meine Sprache, sie schienen auf meiner Welle zu sprechen. Berührten mich immer aufs neue. Brachen Dämme so mühelos, die ich mühsam errichtetet hatte, wie ein Tsunami. Schneller als mir lieb war hattest du dich in meinem Kopf eingenistet, wie ein unliebsames Insekt. Waren es deine oder meine Worte, Gedanken, Sichtweisen die da aus meinem Mund sprachen? Ich weiß es nicht. Du warst wie eine Invasion, eine willkommene Invasion. War es nicht so das ich die Tür absichtlich offen ließ? Habe ich dich nicht sogar herein gebeten? Ich weiß nur, das ich all zu bereitwillig dich in meinen Kopf ließ. Ich hatte niemanden zuvor und niemanden danach jemals wieder die Tür so geöffnet wie dir. Ich hatte dich ausgewählt? Oder warst du es der mit gespaltener Zunge meinen Geist vergiftet hat und durch meine Ohnmacht gewaltsam in mich eingedrungen bist?
Mein Körper liebte dich bereitwillig. Ohne wenn und aber. Wie die Motte das Licht, so liebte mein Körper dich. Dein Magnetfeld zog mich an, ließ mich tanzen, kriechen und betteln nach deiner Berührung, Zuneigung. Oder waren wir machtlos? Zwei Seelen gelenkt vom unbarmherzigen Schicksal?
Nein. Du lenktest mich. Herrschtest über meinen Körper, zogst an meinen Fäden und ließest mich tanzen. Deine Marionette. Ließest mich nach dir verzehren in der Absicht mich zu zerstören. Hast mir immer nur so viel gegeben damit ich weiter machte. Jede Liebkosung von dir, geplant, durchdacht – einzig um mich zu zerstören.
Doch mein Herz. Mein Herz das rein und unschuldig ist, das bedingungslos liebt, hat es immer gewusst. Hat dich immer geliebt. Und damit den größten aller Verrate begangen. Mein Herz hat dich immer geliebt. Wiegt schwer in meinem Kopf. Schmeckt bitter auf meiner Zunge. Mein Herz hat dich immer geliebt, ganz gleich ob du mich während ich schon am Boden lag, getreten hast. Mein Herz scheint nicht viel von dieser Welt zu verstehen. Scheint das Grauen nicht zu sehen, fleht mich an dich nie mehr allein zu lassen. Wohl wissend, das du der einzige lebende Mensch bist, der die Macht hat mich in die Irrenanstalt zu bringen. Du wusstest nicht mit mir um zu gehen? Du wolltest mich nicht verletzen? Warst selbst verletzt? Du wolltest mich jung, zu jung. Wolltest mich dumm. Hast es versucht, hast es verdrängt. Hast mich und dich belogen. Hast es längst verschenkt. Ich wünschte du würdest dich lieben so wie ich dich liebe. Würdest wissen, das Liebe der einzige Weg ist uns zu zerstören, uns zu zerreißen und doch nicht zu sterben. Lieben ist der Sinn des Lebens? Dann lass dir eins gesagt sein: Nur die Irren wissen was Liebe ist. Nur die Kaputten haben erahnt was Liebe anrichtet. Nur die Lüge das wir einander lieben lässt mich hoffen. Hoffen jemanden zu finden den ich lieben kann ohne zu lügen.
Doch wir beide wissen das Herzen Lügen

.image Bild Quelle Unbekannter Berliner künstler
Straßen
Man stelle sich vor, die Straße auf der man gerade geht, ist gar keine Straße. Vielmehr ist sie das Produkt unserer Vorstellung, unseres Glaubens. Denn in Wirklichkeit gibt es gar keine Straßen, keine Laternen und keine Fußgänger. Nein wirklich. Mal angenommen – nur angenommen, es gäbe keine Straßen. Würden wir dann ankommen wo wir vermeintlich hin wollen? Oder würden wir da sein, wo das Schicksal uns hin bestimmt hat? Es scheint mir, ohne Straßen, würden wir da sein, wo wir wirklich sein sollten, ohne wenn und aber, ohne immer auf der Suche zu sein. Ganz intuitive wären wir an der Richtigen Stelle im Leben. Bräuchten uns nicht nach verwirrenden Straßenschildern zu richten. Und bräuchten nicht auf grün zu warten.
Das würde auch bedeuten, die Nette Frau im Navi würde, nicht immer im unpassendsten Moment sagen “Bitte rechts abbiegen.” Obwohl da ganz offensichtlich eine Sackgasse ist. Ohne Straßen. Was das wohl für ein Gefühl wäre. Ohne Straßen. Da würden Freunde wohl auch nicht sagen: „probiere doch mal einen anderen Weg, es muss doch noch eine andere Lösung geben.Viele Wege führen nach Rom.“
Es würde nur noch heissen “ Rom“. Wie wunderbar das wäre.
Straßen. Ordnung und Gleichgewicht. Oder Chaos und Abgasluft. Rushhour und Unfälle.
Wie das wäre ohne Straßen ohne Zweifel ohne richtig oder falsch.
Menschen überfüllte Straßen, asphaltierte Monster, graue Massen. Lieblingswege, Kurvenreiche Straßen, Berg und Tal Fahrten, Schnellstraßen, Landstraßen.
Unendlich viele Straßen.
So viele Wege zu gehen. Welche ist die schnellste? Welche die Direkte?
Strassen.
Ein Leben ohne Strassen wie das wohl wäre?
Fernweh
Durch das Fenster des Opel Corsa, sieht die Welt klein und staubig aus. Die Sonne lässt Staubpartikel tanzen, die Luft ist stickig und warm und überhaupt, scheint es nicht genug Platz in diesem Pappkarton zu geben. Schleichend, so kommt es ihr zumindest vor, gleitet das alt Bekannte an ihr vorbei. Immer gleiche Felder, Straßen, Gesichter, Gerüche …. Alles alt und bekannt. Die gute alte Heimat. Hier ist sie aufgewachsen, hier hat sie ihre erste große Liebe getroffen und kurz danach wieder verloren. Nichts spannendes, nichts Neues. Sö schön das Landleben auch ist, so langweilig ist es auch. Das einzig aufregende ist, wenn mal jemand von außerhalb in das verschlafen Dorf zieht. Die nächste Stadt ist keine zehn km entfernt aber auch das verschlafene Städtchen, das an der Grenze zu Dänemark liegt, ist nicht gerade eine Welt-Metropole. In den nächsten Flieger steigen, einfach nur weg. Die große Weite lockt. Zieht an ihr, nagt. Facebook erzählt ihr täglich wie aufregend die große Welt ist. Mit jedem Tag der vergeht, fühlt sie sich leerer. Jeder Tag in der verschlafenen Stadt, ist ein vergeudeter Tag. Sonne, Hitze, Staub danach sehnt sie sich. Nach gewaltiger Natur die einem den Atem verschlägt. Nach Leuten, die nicht auf die Zeit achten sondern noch leben. Nach wilden Flüssen, klaren Quellen und der wilde Ocean.
Auf dem Land sind Tiere keine Seltenheit. Aber zusammengepferchte Tiere haben jeglichen Anmut verloren. Alles Schöne, Wilde, Natürliche – weg, wie nie da gewesen. Sie sehnt sich nach Lebendigkeit, Echtheit. Eine andere zu sein. Mit dem Rucksack durch die Welt. Oder mit einem VW Bus um die Welt fahren. Ohne Sorgen ob sie rechtzeitig zur Arbeit kommt.
Sie wünscht sich weit weg. Wo das Leben aufregend und spannend wäre. Ein Abenteuer. Voller Entdecker Geist. Voller Spaß. Mit ihrem Monatsgehalt würde sie in Thailand locker drei Monate auskommen. Andere Gesichter, andere Geschichten, andere Lieder. Alles anders. Bei dem Gedanken schaudert es sie leicht. Aufregung, Angst und Nervosität breiten sich in ihrem Inneren aus. Fernweh. Es schmerzt und zieht sie in die Ferne. Und was hält sie auch hier, was nicht auch auf sie warten wird. Das bekannte wird sich nicht groß verändern. Oder doch? Oder würde sie einfach als eine andere zurückkehren ? Ist es das? Die Angst vor der eigenen Fremde?
Weißt du – ich verbringe wirklich gerne Zeit mit dir. Du, du bist unkompliziert, entspannt, lustig und immer gut drauf. Ja ich verbringe wirklich gern Zeit mit dir. Das sage ich jetzt nicht einfach nur so. Ich genieße es mit dir auf dem Sofa zu sitzen, einen Film zu schauen und unsere spielerischen Streitigkeiten aus zu tragen. Du weißt ja, das wir in fast allen Dingen unterschiedlicherer Meinung sind. Du magst es gern kalt ich mag es warm, du hast es gern unkompliziert und mir kann es gar nicht kompliziert genug sein. Wir führen keiner tiefgründigen Gespräche – wobei das oft überbewertet wird. Ich fühle mich wohl mit dir. Bei dir könnte ich nackt durch die Wohnung tanzen ohne mich ein einziges Mal zu schämen. Zu grämen für meinen Körper oder mein Ich.
Ich verbringe gern Zeit mit dir. Auch nach langen Pausen können wir unkompliziert da weiter machen wo wir aufgehört haben. Ohne Lichter zu dimmen, ohne neues begutachten. Ganz locker und unkompliziert. Ich bin froh dich kenne gelernt zu haben, freue mich auf unsere gelegentlichen Treffen und genieße es dem Alltag zu entfliehen. Genieße es wie sich dein Körper auf meinem anfühlt. Wie deine Hand die Konturen meines nackten Körpers längs fährt. Unser Lachen, das von meinen Schlafzimmerwänden zurückgeworfen wird, wenn der Rest der Welt schon lange schläft. Unbeschwertes heiteres Lachen. Ein kleines Glück.
Ich genieße es allerdings auch dich morgens zu Tür zu begleiten. Sie zu schließen und zu wissen das wir uns auf unbestimmte Zeit nicht sehe werden. Genieße es wie mein gesättigter Körper dich ohne zu hadern vor die Tür setzt. Wohl wissend das du diesen Abend schon in den Armen einer anderen liegen wirst. Ich genieße die Unkompliziertheit die ich mit dir habe. Die gestohlen Stunden. Daraus könnte nie mehr werden. Nie etwas echtes. Warum auch. Wir sind grundverschieden. Streben in unterschiedliche Richtungen und wollen einfach nur manchmal dem Alltag entfliehen.
Samstagmorgen
Samstagmorgen. Es ist noch nicht richtig hell und das Haus bei haltet noch diese angenehme Stille. Alles schlafen noch. Das ist ihr die liebste Zeit. Um diese Zeit ist alles völlig klar. Keine Hektik und kein Lärm. Gedanken und Emotionen sind ruhig und ausgeschlafen. Ruhig und zufrieden. Kein Mangel, keine Angst und keine unerfüllten wünsche. Nur die volle Blase die sich meldet und gelehrt werden möchte. Langsam und schwerfällig steht sie aus dem niedrigen Bett auf. Es knarrt und knirscht. Ächzt gerade zu. Mit schweren gliedern geht sie den Flur entlang, leise um die Stille nicht zu erschrecken. Im Badezimmer angekommen begrüßt sie ihr verschlafenes Äußeres mit einem Kopfnicken. Sie zieht die Schlafhose runter und lässt sich auf der Toilette nieder. Gähnend lässt sie los. Das vertraute Geräusch des Urinstrahls hat etwas tröstliches. So bleibt sie eine Weile sitzen und denkt an nichts. Sie hört ein leises schnarchen aus dem Nebenzimmer und wünscht sich wie so häufig allein zu sein. Langsam wird ihr Po taub und in ihren Füßen beginnt es zu kribbeln. Höchste Zeit auf zu stehen. Froh das vierlagige Papier gekauft zu haben erhebt sie sich. Mit der Hand fährt sie über ihr nacktes Hinterteil und kann den Abdruck der Klobrille fühlen. Mit steifen gliedern bückt sie sich und zieht sich die Hose wieder hoch. Wie jeden Morgen ist sie froh das sie ohne Unterwäsche schläft. Nachts ist jeder frei das zu tun was er will. Und sie und ihre Geschlechtsteile sind frei ohne enganliegende formende Wäsche zu schlafen. Sie geht in die Küche, macht den Wasserkocher an und holt eine von den großen Tassen aus dem Küchenschrank. Während der Wasserkocher vor sich hin dröhnt holt sie sich einen Teebeutel aus der Schublade. Fenchel. Der Wasserkocher klackt, sie gießt den Tee auf und steht eine Weile nur so da. Unentschlossen. Irgendwo im Haus geht Eine Tür auf. Schlurfende Schritte die ins Bad gehen. Sie spürt ein ziehen. Eine Trauer. Kompromisse, Hektik und Gedanken, fangen an sich in ihr auszubreiten. Gestresst greift sie nach dem Toast. Schlurfende Schritte die wieder in einem Zimmer verschwinden. Und sie begreift und realisiert – es ist Samstag.
Eine Reise
Er sah über das Meer. Von dem Wohnzimmer Fenster konnte man direkt auf die Förde blicken. Gemächlich reckte er sich und erinnerte sich an den langen Weg den er zurück gelegt hatte. Alle Meere hatte er überquert. An sämtlichen Häfen der Welt angelegt. Alle Arten von Menschen getroffen und kennengelernt. Die unterschiedlichsten Frauen dieser Welt beglückt. Und doch hielt dieses Glück nie lange genug an. Wenn er zurückblickte, gab es im großen und ganzem nichts das er bereute. Wenn er in seine Zukunft sieht, gibt es nicht wirklich etwas, auf das er sich freuen kann.Denn das Leben das er gewählt hat, erlaubt ihm nicht die alltäglichen Probleme und Herausforderungen zu leben, auf die er sich einmal gefreut hatte. Er wollte nie so werden. Wie sein Vater. Und dennoch, lässt es sich nicht leugnen, das er von ihm abstammt. Jedesmal wenn er sich von dieser Person distanziert, scheint es als rücke dieser Teil noch enger an ihn heran. Wie ein Schatten, der ihn auslacht. Seine Bemühungen den Schatten los zu werden, waren vergebens und so hat er sich mit ihm arrangiert. Es wird darauf hinaus laufen, das hat er immer gewusst. Er wird keine glücklich machen können, denn er hat keine Macht seinen Schatten unter Kontrolle zu bringen. Gene kann man nicht verleugnen. Warum sich gegen etwas wären, worauf man eh keinen Einfluss hat.
Er greift nach der Flasche Bier. Nimmt einen Schluck. Es ist warm. Schal. Doch das kümmert ihn nicht. Schließlich hat er sich dieses Bier verdient.
Vielleicht klappt es beim nächsten Mal? Vielleicht gewinnt er den Kampf beim nächsten mal? Bei dem Gedanken an seine Mutter durchfährt ihn ein Schuldgefühl. Wird er der nächsten auch so zusetzen? Liegt das nicht auch in seiner Natur? Er schüttelt den Gedanken ab. Sieht sich in seinem Wohnzimmer um und bleibt an der gepackten Tasche hängen. Morgen bricht er wieder auf um in fremde Häfen ein zu laufen. Exotische Düfte, Frauen, Essen und ein guter Job warten auf ihn. Das ist sicher nicht das schlechteste was ihm passieren konnte. Ob sich die Reise lohnt? Hier wartet niemand auf ihn. Nur Bob. Und selbst der fühlt sich mittlerweile bei seiner Mutter am wohlsten. Ob sich diesbezüglich das Leben für ihn ändern wird? Das fragt er sich hin und wieder. Aber auch das liegt nicht in seiner Macht. Und wenn es doch in seiner Macht liegt – ist es dann an ihm etwas zu verändern? So ist es am besten. Auch für Sie. Da ist er sich ganz sicher. Das ist das letzte Mal, denkt er bei sich, das letzte Mal das ich an Sie denke. Denn es hat keinen Sinn sich darüber Gedanken zu machen. Heute ist das letzte Mal das er an Sie und ihre Nacktheit denkt. Sie hatte es gewusst. Genauso wie er auch. Daran hätte er nichts ändern können.
Sein Leben ist die Reise. Er ist die Reise. Eine Reise verweilt nicht. Steht nicht still. Wartet nicht ab. Sie ist wie ein reißender Strom. Ohne Bewegung gibt es keine Reise. Ohne Reise gibt es ihn nicht.

Motte im Licht
Wie hypnotisiert starre ich dich an. Nicht etwa weil du schön bist. Du bist viel mehr durchschnittlich attraktiv. Auch dein Charisma hat mich nicht zum Zombie gemacht. Nun – deine Augen haben schon etwas. Vielleicht waren es zum Teil deine Augen. Ich bin mir nicht sicher. Dein Haar kann es nicht gewesen sein, es ist eher dünn und zu lang, verleitet mich eher kurzen Prozess mit der Schere zu machen. Das kann es auch nicht gewesen sein. Hmm. Vielleicht dein Lächeln. Wenn es deine Augen berührt strahlst du auf eigensinnige Weise. Also das ist wirklich nicht viel. Es muss noch etwas anderes gewesen sein, schließlich ist es nur ein Lächeln. Vielleicht lag es weniger an dir und mehr an mir. Ich meine das nicht degradierend. Auf keinen Fall. Verstehe mich nicht falsch – sicher du bist sportlich aber dennoch nicht das was ich mir unter einem Adonis vorstelle. Ich bin mir ziemlich sicher, es muss an mir gelegen haben. Vielleicht war es mein Eisprung? Hormone? Ich meine vom natürlichen Wunsch sich fort zu pflanzen bin auch ich nicht ganz ausgeschlossen. Vielleicht war es auch Biochemie. Ich meine das hört man ja immer öfter das die Leute sagen:“ Wir waren nicht verliebt – das war Biochemie“. Ganz einfach, ganz simpel. Vielleicht doch eher was psychisches? Hmm, das ist nicht auszuschließen. In der heutigen Zeit kann man doch alles auf die Psyche zurück führen. Vielleicht. Ja vielleicht liegt es daran das du meinem Vater so ähnlich siehst meinst du nicht auch? Ich denke nicht. Er ist schwarz. Und du bist so gar nicht wie er. Ich mein ich verstehe nicht viel von Psychologie aber das ist völlig ausgeschlossen. Ich mein, wie kann ein weißer Mann einem schwarzen ähneln? Aber etwas muss es ausgelöst haben. Da bin ich mir sicher. Sieh mal, nichts geschieht ohne höheren Sinn – das ist dir doch klar oder? Also wenn ein Sinn dahinter steckt – davon bin ich überzeugt, muss es einen Grund geben. Banalitäten wie Verliebtheit schließe ich aus – meist sind derartige Geschichten, wie vorher schon beschrieben, auf Biochemie zurück zu führen. Biochemie wäre eine Option aber – ich denke es muss doch etwas anderes sein. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Bauchgefühl noch so ein Trendsetter. Ich muss in eine völlig andere Richtung denken. Ich meine vielleicht hat es etwas mit diesen neumodischen Reinkarnationen zu tun. Also in so einem Fall wäre das nämlich so – du warst im früheren Leben ein Pferd, höchstwahrscheinlich mein Pferd. Und nun war ich so überrascht dich in diesem Leben sprechend an zu treffen, aufrecht auf zwei Beinen – dazu mittel attraktiv ich mein wer wäre da nicht leicht hypnotisiert?



