Wenn jemand fragen würde — wenn es passieren würde — wie es ist ?wie es sich anfühlt…..was übrig bleibt?
Was bleibt übrig von einem Menschen nach jahrelangem Missbrauch¿ was Is von mir nach? Wie sieht ein Mensch im inneren aus der das überlebt?
Geboren werden wir ganz jeder von uns. Ein Wunder. Wer miterlebt wie ein Menschenkind geboren wird beschreibt es als ein Wunder was auf die Welt kommt. Kaum zu beschreiben. Unfassbar berührend und schön. Ein so kleines Wesen das Heil und ganz ist. Unheimlich zerbrechlich und dennoch voller Licht.
Was passiert wenn jemand dir etwas von deinem Licht nimmt? Wie singen „wir sind Helden in den Lied : die Zeit heilt alle Wunder“ so schön „ die Zeit heilt alle Wunder wenn du sie gut verschnürst bind nur die Stelle gut ab bis du gar nichts mehr spürst…“
Das trifft es ganz gut aber noch nicht ganz. Es zerreißt dich, körperlich seelisch geistig. Es tun sich leere Räume in deinem inneren auf. Räume gefüllt mit Schmerz. Räume gefüllt mit Tod. Wenn dich jemand missbraucht den du kennst, den du liebst, dem du vertraust, ist das so ungeheuerlich, so groß, so beängstigend das dein inneres versucht dieses große Loch, diese Abgründe in die du in denen Momenten gefallen, gestürzt würdest versucht zu verschließen. Es bleibt nichts als ein Taubheitsgefühl zurück. Ein Stück von dir ist gestorben. Licht erloschen und lässt nichts als Trauer, Schmerz, und Angst zurück.
Wie es sich anfühlt wenn das mehrmals passiert mit dir, mit deinem Körper mit deiner Seele mit deinem Geist? Wenn du leer bist, dreckig, besudelt, schlecht, allein, machtlos, wehrlos, gefangen, nichts wert, wenn du selbst schuld bist, es nicht anders verdient hast, du hättest nur…, wenn du einfach nicht mehr sein möchtest, wenn du nicht mal mehr flüstern kannst, wenn dein Licht erlischt und dich in dunkelster Dunkelheit zurück lässt. Dann ist das ein kleiner Ausblick wie es jemandem wie mir in so einer Situation ergangen ist. Wie es an manchen Tagen auch heute noch in mir aussieht. Wenn ein Mädchen von 8 Jahren sich fragt wie es wohl am einfachsten, am schmerzfreiesten Selbstmord begehen kann. Damit der Schmerz nicht bis in den Tod andauert den sie jeden Tag in ihrer Seele spürt , dann ist das eine ungefähre Vorstellung wie sich so jemand fühlt.
Wie fühlt man sich als Erwachsener mit so einem Hintergrund? Wie fühle ich mich?
Hohl, oft ist da eine Leere die nicht verschwinden will, ein nichts wo eigentlich alles sein sollte. Zeit vergeht ohne das ich mich konzentrieren kann, ohne das ich ruhe in mir finde ohne das ich etwas fühle. Niemandem ist es aufgefallen, nicht mal mir selbst. Jeder hat gesagt ich bin so ein nettes Kind, ein schlaues Kind, wenn ich doch nur etwas mehr für die Schule tun würde. Wenn ich doch nur nicht so faul wäre. Ich kann nicht, ich bin damit beschäftigt nichts zu fühlen um nicht alles zu fühlen, ich bin damit beschäftigt mich zu verstecken vor der Welt, damit sie mir nichts grausames antut, ich bin damit beschäftigt um mein Leben zu fürchten. Ich bin beschäftigt nicht faul. Ich habe keine Ressourcen um mich darum zu kümmern. Um überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden. Denn ich bin leer. Leerer als ich sein müsste, sollte. Ich versuche mein Licht zu finden ohne mich an schreckliches zu erinnern. Ich bin mit verdrängen und bekämpfen beschäftigt. Ich bin müde vom Kampf. Nicht weil ich faul bin. Ich bin erschöpft weil ich so wachsam bin. Ich bin so wachsam das wenn ich einen Raum, eine Straße ein Geschäft betrete ich jedes und alles scanne das mir ja nie wieder so ein Unheil angetan wird. Ich bin auf der Hut. Ich bin immer dabei mich etwas unsichtbar zu machen das ich nicht zu viel auffalle, ich gehe keine engen Beziehungen ein weil ich den Verrat nicht wieder erfahren will, selbst der kleinste Verrat bricht mich, wirft mich zurück, darum binde ich mich erst gar nicht. Ich bin allein und das ist manchmal furchtbar und manchmal beruhigend denn dann bin da nur ich. Wie es ist? Ich kontrolliere ohne das es meinem gegenüber auffällt dennoch knicke ich ein wenn ich mich bedrängt fühle. Ich möchte wahrgenommen werden aber nicht zu viel, gesehen werden aber nicht entdeckt, enttarnt. Gerettet und mich sicher fühlen. In mir ist ein Chaos das kaum zu bändigen ist.